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Eingewöhnung

Der Übergang von zu Hause in eine Kindertageseinrichtung bedeutet für jedes Kind -unabhängig von seinem Alter - aber auch für die Eltern, einen aufregenden Schritt. 

Es gilt eine neue Entwicklungsaufgabe zu meistern die für die Kinder eine besonders emotionale Herausforderung darstellt. Sie stehen vor der nicht zu unterschätzenden Aufgabe sich von ihrer primären Bezugsperson, in den meisten Fällen die Mutter, soweit zu lösen, dass es ihnen möglich ist eine zuverlässige Bindung zu einer weiteren Bezugsperson, der / dem Bezugserzieher_in, neben den Eltern, aufzubauen. Daneben warten neue Räume, Rituale, Regeln, Abläufe aber auch andere Kinder mit ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten darauf vom Kind kennengelernt bzw. erkundet zu werden. Familiäre Alltagsroutinen müssen neu gefunden werden. Kurzum, es gilt eine Menge „Neues“ zu erfassen und zu verarbeiten, was wiederum von allen Beteiligten auch seitens der pädagogischen Fachkraft, eine Vielfalt an Gefühlen mit sich bringt – einerseits Freude und Neugier, andererseits Unsicherheit und Ängste. Wird unser Kind ohne uns zurechtkommen? Wird es ihm gut gehen? Wird der / die Erzieher_in unser Kind mögen und verstehen. Werden unsere Ängste und Zweifel aber auch Fragen von dem / der Erzieher_in ernst genommen? Hat er / sie Verständnis dafür? Wird das Kind leicht Zugang zu mir finden? Werden mich die Eltern als weitere Bezugsperson ihres Kindes akzeptieren? Werden mich meine Eltern begleiten bis ich mit der neuen Situation vertraut bin? Sind sie einverstanden, dass ich gerne hier bin, wenn ich mich nicht mehr so fremd fühle? ...etc.

Mit Blick auf all diese Fragen und Herausforderungen ist die Gestaltung der Übergangszeit von der Familie in die Kindertagesstätte unverzichtbar und Grundvoraussetzung für eine qualitätsvolle Bildung, Erziehung und Betreuung des Kindes.

In unserer Einrichtung gestalten wir diesen Übergang mit dem Berliner Eingewöhnungsmodell nach infans (Institut für angewandte Sozialisationsforschung / Frühe Kindheit e.V.). Dieses Modell orientiert sich am Bindungsverhalten des einzelnen Kindes, an seinen bisherigen Bindungsbeziehungen, Erfahrungen und Bindungsqualitäten. Denn erst eine zuverlässige Bindung zum / zur Bezugserzieher_in  ermöglicht es dem Kind, die Welt, die neue Umgebung „Kindergarten“ zu erforschen, Erfahrungen zu sammeln, sich Wissen anzueignen und nach seinen Interessen zu bilden.

So individuell wie jedes Kind ist gestaltet sich daher auch die Eingewöhnung.

Das grundlegende Ziel der Eingewöhnung bildet daher der Aufbau einer tragfähigen Beziehung zwischen Fachkraft und Kind, die dem Kind Sicherheit und Vertrauen bietet.

Zur groben Orientierung für die Planung der Eingewöhnung wird bei Kindern unter 3 Jahren mit einer Eingewöhnungsdauer zwischen 2 und 4 Wochen gerechnet und für Kinder ab 3 Jahren mit 1 bis 2 Wochen. Wie lange die Eingewöhnung an sich dauert bestimmt allein das Kind.

Zu Beginn der Eingewöhnung findet in unserer Einrichtung mit den Eltern und der Leitung ein Vorgespräch statt bei dem die Eltern einen ersten Einblick sowohl in die Struktur unseres Hauses als auch in die pädagogische Arbeit erhalten. Ihnen wird unter anderem die Konzeption, das Haus und der Bezugserzieher vorgestellt und der Beginn der Eingewöhnung besprochen.

Die Eingewöhnung selbst ist in verschiedene Phasen unterteilt die von Kind zu Kind zeitlich und emotional völlig unterschiedlich durchlaufen werden. Begonnen wird mit einer dreitägigen Grundphase bei der keinerlei Trennungsversuche stattfinden. Die eingewöhnende Bezugsperson hält sich dabei mit dem Kind in der Einrichtung für 1 bis 2 Stunden auf. Sie ist in diesen Tagen für das Kind der „sichere Hafen“, d.h. sie folgt dem Kind nicht, ist aber immer sichtbar und für die Signale des Kindes aufmerksam. Der / die zukünftige Erzieher_in versucht vorsichtig über Spielangebote Kontakt zum Kind aufzubauen. Die pflegerischen Aufgaben bleiben in diesen Tagen bei der Bezugsperson.

Am 4. Tag wird der erste Trennungsversuch unternommen. Die Bezugsperson verlässt nach einiger Zeit nachdem sie sich von ihrem Kind verabschiedet und es dem / der Bezugserzieher_in übergeben hat für maximal 30 Minuten den Raum. Das Kind wird in dieser Situation sicher protestieren das ist aber durchaus normal, das Kind hat ein Recht darauf zu äußern, dass ihm die Trennung missfällt. Lässt sich das Kind von dem / der Erzieher_in nicht beruhigen wird die Bezugsperson umgehend zurück geholt.

Dieser Phase schließt sich die Stabilisierungsphase an. In dieser bietet sich der / die Bezugserzieher_in  gezielt als Spielpartner an und übernimmt zunehmend die Versorgung des Kindes. Die Trennungszeiten werden mit Blick auf die Bedürfnisse des Kindes täglich verlängert. Lässt sich das Kind in den Trennungssituationen von dem / der Bezugserzieher_in trösten und zeigt sich in Abwesenheit der eingewöhnenden Bezugsperson daran interessiert von sich aus seine Umgebung zu erkunden und Erfahrungen zu sammeln geht die Eingewöhnung in ihre Schlussphase. Zu dieser Zeit ist die Bezugsperson in der Einrichtung nicht mehr anwesend, jedoch jederzeit für Notfälle erreichbar. Der / die Bezugserzieherin ist vom Kind als „sichere Basis“ akzeptiert d.h. es lässt sich bei Bedarf von ihr auch nachhaltig beruhigen bzw. trösten. Das Kind hat zu ihm / ihr eine Bindung entwickelt. Die elternbegleitende Eingewöhnungsphase ist somit beendet. Als abgeschlossen an sich gilt die Eingewöhnung wenn das Kind grundsätzlich bereitwillig und gern in die Einrichtung kommt und neben dem / der Bezugserzieher_in weitere Erzieher als Bezugspersonen annimmt, so dass es einer Abwesenheit des / der Bezugserziehers_in offen gegenüber stehen kann.

Um sowohl dem Kind als auch den Eltern die Eingewöhnung so optimal wie möglich zu gestalten ist die Anwesenheit des / der eingewöhnenden Erziehers_in innerhalb der Eingewöhnungszeit grundsätzlich auf die Anwesenheitszeiten des Kindes abgestimmt.

Sollte sich innerhalb einer Eingewöhnung zeigen, dass das Kind eine andere pädagogische Fachkraft als Bezugserzieher_in bevorzugt so ist ein Wechsel dieser jederzeit möglich.

In allen Phasen der Eingewöhnung und darüber hinaus stehen wir den Eltern als Ansprech- und Erziehungspartner jederzeit für ein Gespräch zur Verfügung.

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